Beyond Order – Jenseits der Ordnung. 12 weitere Regeln für das Leben
Jordan Peterson, 2021
Was tun, wenn es im Leben zu viel Ordnung gibt: wenn Regeln einengen, Gewohnheiten erstarren und sich Ungesagtes über Jahre ansammelt? Jordan Peterson vollendete dieses Buch in den schwersten Jahren seines Lebens. Er schlägt zwölf neue Regeln für das Leben an der Grenze zwischen Ordnung und Chaos vor. Du erfährst, wann es sich lohnt, Traditionen zu achten und wann sie zu durchbrechen, warum Schweigen gefährlicher als ein Streit sein kann und wie Dankbarkeit zu Mut wird.
Für wen
Für alle, die alles richtig machen und trotzdem das Gefühl haben, ihr Leben stecke fest. Und für alle, die verstehen möchten, wann Regeln helfen und wann es Zeit ist, etwas zu wagen und ins Unbekannte aufzubrechen.
Wenn du dir erlaubst zu wissen, was du willst, wirst du genau wissen, wann du es nicht bekommst.
Ein Buch am Abgrund
Anfang 2020 lag Jordan Peterson, kanadischer Psychologe und Autor des Weltbestsellers „12 Rules for Life“, in einer Moskauer Klinik. Er hatte über mehrere Jahre beruhigende Medikamente, Benzodiazepine, eingenommen und war schwer abhängig geworden. Der Entzug verlief so problematisch, dass Ärzte ihn in ein künstliches Koma versetzten. Kurz zuvor war bei seiner Frau Tammy eine seltene Krebsform diagnostiziert worden. Lange wusste die Familie nicht, wie es ausgehen würde.
Genau in diesen Jahren vollendete er sein zweites Buch mit Lebensregeln. Das erste zeigte, wie man mit Chaos umgeht: sich sammeln, aufrichten und sein Leben in die Hand nehmen. Das zweite behandelt die entgegengesetzte Gefahr. Auch Ordnung kann zu eng werden, wenn Regeln erstarren, Gewohnheiten erdrücken und Sicherheit zum Käfig wird.
Petersons Kerngedanke: Am besten lebt es sich an der Grenze zwischen Ordnung und Chaos. Ordnung ist das Vertraute und Berechenbare, das, was bereits funktioniert. Chaos ist das Unbekannte, das Angst macht, aus dem aber alles Neue entsteht. Mit einem Fuß in jedem Bereich zu stehen bedeutet für ihn, sinnvoll zu leben.
Es folgen zwölf Regeln, jede mit ihrer eigenen Geschichte: ein Patient, der jahrelang übte, unter Menschen zu sein; der Schwiegervater des Autors und zu kleine Teller; ein ägyptischer Gott, der ein Auge verlor. Du erfährst, warum alte Institutionen Respekt verdienen und wann man Regeln brechen sollte, warum Nebel in Beziehungen gefährlicher ist als Streit und wie Dankbarkeit zu einer Form von Mut wird.
Dein Verstand braucht andere Menschen
Viele Jahre lang kam ein Patient zu Peterson, der völlig allein lebte. Seine Frau war lange tot, die Töchter waren ausgewandert, und zum Rest seiner Familie hatte er keinen Kontakt. Als Kind war er zu Hause kaum beachtet und in der Schule schikaniert worden. Mit Menschen zu sprechen fiel ihm so schwer, dass Peterson in den Sitzungen oft einfach schweigend wartete, bis er die passenden Worte fand.
Gemeinsam planten sie kleine Schritte, die der Patient selbst umsetzte. Er besuchte Kunstveranstaltungen und Musikfestivals und fand Freunde. Später las er auf einer Bühne seine Gedichte vor und versuchte sich sogar an Stand-up-Comedy. Je mehr er unter Menschen war, desto klarer dachte er. Die Lösungen für seine Probleme brachte er nun selbst in die Sitzung mit.
Aus dieser Geschichte leitet Peterson einen überraschenden Gedanken ab. Wir nehmen gewöhnlich an, dass ein gesunder Verstand im Kopf sitzt. Seinen Worten zufolge überlassen wir anderen die Sorge um unseren Verstand. Freunde korrigieren uns, wenn wir Unsinn reden. Bräuche zeigen, wie wir uns verhalten können. Wir bleiben im Gleichgewicht, weil die Menschen um uns herum uns immer wieder dorthin zurückführen.
Daraus folgt die erste Regel: Werte gesellschaftliche Institutionen und schöpferische Leistungen nicht gedankenlos ab. Ehe, Beruf, Traditionen und Spielregeln sind Lösungen, die Menschen über Jahrhunderte gefunden haben. Schon der Schweizer Psychologe Jean Piaget beobachtete, wie Kinder beim Murmelspiel selbst Regeln vereinbaren und dabei Fairness lernen.
Doch blinder Gehorsam ist ebenfalls keine Lösung. Halte eine Regel ein, bis du verstehst, welchem Zweck sie dient. Brich sie, wenn sie genau dem Guten im Weg steht, für das sie geschaffen wurde. Jede Regel war einmal der schöpferische Einfall eines Menschen.
Über den Autor
Jordan Peterson ist ein kanadischer klinischer Psychologe, der viele Jahre an der University of Toronto lehrte. Er schrieb den internationalen Bestseller „12 Rules for Life. Ordnung und Struktur in einer chaotischen Welt“.
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