Cyrus Hall McCormick: Sein Leben und Werk
Herbert Casson, 1909
Eine Maschine, die das Getreide selbst erntete, funktionierte schon 1831, doch neun Jahre lang kaufte sie niemand. Herbert Casson erzählt, wie Cyrus McCormick aus einer Erfindung ein Geschäft machte. Du erfährst, warum er mit dem schlechtesten Feld begann, was er dem Farmer versprach und wie er auf jede Niederlage antwortete.
Für wen
Für alle, die sich etwas Nützliches ausgedacht haben und nicht wissen, wie sie es verkaufen sollen, für alle, die gerade ein eigenes Geschäft gründen, und für alle, die wissen wollen, wie der Erfinder der Mähmaschine ein ganzes Unternehmen um sie herum aufbaute.
Nun, das ist erledigt. Was kommt als Nächstes?
Die Maschine, die niemand kaufte
Juli 1831, eine Farm in einem Bergtal in Virginia. Der zweiundzwanzigjährige Cyrus McCormick spannt ein Pferd vor eine plumpe Holzmaschine und lenkt sie auf einen Streifen Weizen, den man absichtlich ungemäht gelassen hat. Die Haspel neigt die Ähren zum Messer, das Messer klickt hin und her, und das geschnittene Getreide legt sich auf die Plattform. Die Mähmaschine, eine Maschine, die das Getreide selbst erntet, funktioniert.
Und dann kauft neun Jahre lang niemand auch nur eine einzige.
Diese Geschichte erzählte 1909, zu McCormicks hundertstem Geburtstag, der Journalist Herbert Casson. Er schreibt begeistert und widerspricht seinem Helden kaum. Die Landarbeiter, die fürchteten, ihren Verdienst zu verlieren, tut er mit einer Handbewegung ab, und von McCormicks Sklaven, den dieser noch vor dem Krieg freiließ, erzählt er als Beispiel für dessen Güte. Die Urteile hier stammen also von Casson, und man sollte sie mit diesem Vorbehalt lesen.
Doch der Kerngedanke des Buches ist auch heute nützlich. Laut Casson erfand McCormick nicht nur die Mähmaschine, sondern auch einen Weg, sie Menschen zu verkaufen, die nie mit Maschinen gearbeitet hatten und sich scheuten, ihre Ernte zu riskieren. Du siehst, warum er mit dem schlechtesten Feld begann, wie er die Jahre ohne Käufer überstand, warum er seine Fabrik in das schmutzige Nest Chicago verlegte, was er dem Farmer versprach und wie er auf jede Niederlage antwortete.
Mit dem schlechtesten Feld beginnen
Cyrus' Vater, Robert McCormick, baute fünfzehn Jahre lang an einer Mähmaschine. 1816 verhedderte sich seine Maschine in den Halmen, die Nachbarn lachten noch lange darüber, und danach arbeitete er heimlich, hinter verschlossener Werkstatttür. 1831 schnitt seine neue Maschine das Getreide zwar, warf es aber als wirren Haufen ab. Der Vater gab auf.
Der Sohn packte die Sache vom anderen Ende an. Die früheren Erfinder bauten ihre Maschine für geraden, folgsamen Weizen. Cyrus begann, wie Casson es ausdrückt, mit dem Schlimmsten: mit Getreide, das Wind und Regen niedergedrückt und verheddert hatten. Solchen Weizen muss man zuerst von dem trennen, der stehen bleibt, deshalb kam an den Rand des Messers ein gebogener Halmteiler. Dann brauchte es ein Messer, das hin und her geht, Finger, die die Halme halten, eine große Haspel für die liegenden Ähren und eine Plattform für das geschnittene Getreide.
Casson erklärt, warum es bei den anderen nicht klappte. Sie waren keine Farmer, sondern Erfinder am Schreibtisch und glaubten, das Wichtigste sei das Schneiden. Der Farmer aber wusste: Getreide ist leicht zu schneiden und schwer zu ernten. Bei Gras ist es umgekehrt. Die Schwierigkeit lag nicht im Messer, sondern darin, was mit den Ähren danach geschieht.
Das ist, als würdest du eine Maschine nicht an einem trockenen Sonnentag testen, sondern im Platzregen: Hat sie die schlimmste Strecke geschafft, schafft sie die gute von selbst. Wir dagegen prüfen eine Idee oft dort, wo es ihr bequem ist: eine App auf dem eigenen Handy, ein Rezept am eigenen Geschmack, einen Plan an einem Menschen, der ohnehin zustimmt.
1832 hüpfte die Mähmaschine bei Lexington über ein hügeliges Feld, der Besitzer schrie, sie schlage die Ähren ab, und die Landarbeiter, die in ihr eine Konkurrenz sahen, lachten. Ein Nachbar bot sein ebenes Feld an, und bis Sonnenuntergang mähte sie sechs Acre. Am Abend sagte der Vater zu seinem Sohn Worte, die Casson wörtlich wiedergibt.
Was du tun kannst: Bevor du eine Idee auf Hochglanz bringst, such ihren „liegenden Weizen“, den schwierigsten Fall bei einem echten Nutzer, und fang mit ihm an.
Über den Autor
Herbert Newton Casson (1869-1951) war ein Journalist kanadischer Herkunft. Er schrieb über die amerikanische Industrie und ihre Gründer, darunter Bücher über die Geschichte des Stahls und der Mähmaschine. Später lebte er in Großbritannien und wurde als Autor von Büchern über geschäftliche Effizienz bekannt.
Alle Bücher des Autors: Herbert Casson
Begriffe aus dem Buch
- Senat
- Mississippi
- Smith
- Richmond
- The Times
- Virginia: Ein Staat im Osten der USA. Anfang des 19. Jahrhunderts war er der wichtigste Weizenstaat des Landes, und hier, auf der Farm seines Vaters, baute McCormick die erste Mähmaschine.
- McCormick: Cyrus Hall McCormick (1809-1884), amerikanischer Erfinder und Industrieller aus Virginia, Gründer der Mähmaschinenfabrik in Chicago. Auch sein Vater Robert McCormick versuchte viele Jahre lang, eine solche Maschine zu bauen.
- Haspel: Ein sich drehendes Rad aus Latten an der Mähmaschine. Es neigt die Halme und hebt sie zum Messer, damit das Messer sie schneidet und nicht niederdrückt.
- Mähmaschine: Eine von Pferden gezogene Maschine, die das Getreide auf dem Feld schneidet. Vor ihr wurde Getreide mit der Sichel geschnitten oder von Hand gemäht.
- Halmteiler: Eine gebogene Latte am Rand des Messers der Mähmaschine. Sie trennt den Streifen Getreide, der geschnitten werden soll, von dem, der stehen bleibt.
- Lexington: Eine Kleinstadt in Virginia, etwa dreißig Kilometer von der Farm der McCormicks entfernt. Hier fand 1832 die erste große öffentliche Vorführung der Mähmaschine statt.
- Acre: Ein englisches Flächenmaß, etwa 0,4 Hektar.
- Panik: Hier: die Finanzkrise von 1837 in den USA, als Banken ihre Zahlungen einstellten und Preise und Handel einbrachen.
- Staunton: Eine Stadt in Virginia unweit der Farm der McCormicks. In ihrer Nähe führte McCormick 1839 die Mähmaschine öffentlich vor.
- Prärie: Eine baumlose Grasebene in der Mitte Nordamerikas. Auf den Prärien von Illinois und den Nachbarstaaten entstanden riesige Weizenfelder.
- Sheffield: Eine Stadt in England, im 19. Jahrhundert berühmt für ihren Stahl.
- Ogden: William Butler Ogden, erster Bürgermeister von Chicago und Erbauer der ersten Eisenbahn, die aus der Stadt hinausführte. 1847-1849 war er McCormicks Partner.
- Hussey: Obed Hussey, ein ehemaliger Seemann aus Baltimore, Erfinder eines Grasmähers und McCormicks erster großer Rivale.
- Weltausstellung: Eine große Industrieausstellung 1851 in London, im Kristallpalast, auf der die Länder ihre Maschinen und Waren zeigten.
- Mechi: John Joseph Mechi, ein Londoner Unternehmer und experimentierfreudiger Farmer. 1851 ließ er die Mähmaschine auf seiner Farm bei London erproben.
- Yard: Ein englisches Längenmaß, etwa 0,9 Meter.
- Withington: Charles Withington, ein Erfinder aus Janesville im Staat Wisconsin, ursprünglich gelernter Uhrmacher. Seinen Garbenbinder, der die Garben mit Draht band, baute McCormick ab Mitte der 1870er-Jahre.
- Garbenbinder: Eine Mähmaschine, die das Getreide nicht nur schneidet, sondern auch selbst zu Garben bindet.
- Deering: William Deering, ein ehemaliger Stoffhändler aus dem Staat Maine und McCormicks wichtigster Konkurrent. 1880 setzte er fast sein ganzes Vermögen auf einen Garbenbinder mit Bindegarn und gewann.
- Bindegarn: Eine dünne, feste Schnur aus Pflanzenfasern.
- Brand von Chicago: Der Große Brand von Chicago im Oktober 1871, der einen erheblichen Teil der Stadt zerstörte.
- Patent: Ein Dokument, das einem Erfinder für eine gewisse Zeit das ausschließliche Recht an seiner Erfindung gibt. Damals galt ein Patent in den USA vierzehn Jahre und konnte verlängert werden.
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