Die With Zero
Bill Perkins, 2020
Man bringt uns bei, zu arbeiten und zu sparen und erst später zu leben. Der Trader Bill Perkins meint, dass viele genau so sterben: mit Geld, das sie nicht mehr rechtzeitig in Leben verwandelt haben. Sein Buch erzählt, warum Erlebnisse ihr Alter haben, wie Erinnerungen Ertrag bringen und wann es Zeit ist, mit dem Sparen aufzuhören.
Für wen
Für alle, die viel arbeiten und sparen, das Wichtige aber immer wieder auf später verschieben. Und für alle, die verstehen wollen, wie viel sie sparen sollten und wann es Zeit ist, mit dem Ausgeben anzufangen.
Sorgen solltest du dich nicht darum, ob du mit achtzig die nötige Summe hast, sondern darum, dass Leben und Zeit vergeudet werden.
Eine Fabel, die man zu Ende lesen sollte
Alle kennen die Fabel von der Grille und der Ameise. Die Ameise schleppt den ganzen Sommer Vorräte, die Grille singt und tanzt; im Winter ist die Ameise satt, und die Grille geht zugrunde. Die Moral scheint klar: Arbeite und spare, der Spaß kann warten.
Bill Perkins, Trader am Energiemarkt und Gründer eines Hedgefonds, stellt eine unbequeme Frage: Und wann ruht sich die Ameise aus? Wenn sie jeden Sommer schuftet, geht ihr ganzes Leben für einen Winter drauf, der einfach nicht kommt. Das Buch „Die With Zero“ sucht die Mitte zwischen Ameise und Grille.
Perkins' Kerngedanke ist einfach: Das Leben besteht aus Erlebnissen, und Geld braucht man, um diese Erlebnisse zu bekommen. Wer mit einer großen Summe auf dem Konto stirbt, hat Lebensstunden für einen Verdienst hergegeben, der nie zu Leben wurde. Daher das Motto des Buches: Stirb mit null.
Das ist kein Aufruf, alles zu verprassen. Du siehst gleich, warum Erlebnisse ein Verfallsdatum haben, wie Erinnerungen Ertrag bringen, wann es Zeit ist, mit dem Sparen aufzuhören, und warum man Kindern schon zu Lebzeiten helfen sollte.
Der Freund, der sich Geld beim Kredithai lieh
Anfang der Neunzigerjahre arbeiteten Perkins und sein Mitbewohner Jason Ruffo als Angestellte an einer Börse in New York und verdienten sehr wenig. Jason beschloss, drei Monate mit dem Rucksack durch Europa zu reisen. Geld hatte er keines, also lieh er sich etwa zehntausend Dollar bei einem Kredithai, das heißt bei jemandem, der ohne Sicherheit und zu enormen Zinsen Geld verleiht.
Perkins war entsetzt. Er dachte, man werde seinem Freund die Beine brechen, und während er weg sei, bekämen andere die Beförderung. Jason fuhr trotzdem. Er saß mit Freunden in einem Pariser Park, kam bis zu den griechischen Inseln und verliebte sich. Als er zurückkam, verdienten er und Perkins fast gleich viel, aber Jason hatte unvergleichlich mehr Geschichten.
Perkins selbst kam erst mit dreißig nach Europa und merkte, dass er zu spät dran war. Er war zu alt für ein Hostel voller junger Leute und für laute Runden von Zwanzigjährigen. So eine Reise gibt es nur im passenden Alter, und dieses Alter war vorbei.
Der Fehler liegt darin, dass ein aufgeschobenes Erlebnis kostenlos erscheint. Perkins zeigt den Preis: Manche Erlebnisse verschwinden mit den Jahren einfach, und kein Geld bringt sie zurück.
Über den Autor
Bill Perkins ist ein amerikanischer Trader am Energiemarkt, Gründer eines Hedgefonds und Pokerspieler. Er begann Anfang der Neunzigerjahre als Angestellter an einer New Yorker Börse.
Alle Bücher des Autors: Bill Perkins
Begriffe aus dem Buch
- Dividende
- Autopilot
- Trader
- Hedgefonds
- Ruffo: Jason Ruffo, Perkins' Mitbewohner in jungen Jahren. Er lieh sich Geld bei einem Kredithai, um drei Monate durch Europa zu reisen, und bereute es nicht.
- Kredithai: Jemand, der Geld ohne Sicherheit und zu sehr hohen Zinsen verleiht, oft außerhalb des Gesetzes.
- Hostel: Eine günstige Unterkunft mit Gemeinschaftszimmern, in der meist junge Reisende übernachten.
- Erfüllungskurve: Ein Bild aus dem Buch: ein Diagramm der Erlebnispunkte über die Lebensjahre. Die Aufgabe ist laut Perkins, die Fläche darunter so groß wie möglich zu machen. Ein Modell des Autors, kein wissenschaftlicher Begriff.
- Farrell: Joe Farrell, der Chef des jungen Perkins. Er nannte ihn einen Idioten, weil dieser von seinem kleinen Gehalt Geld zurücklegte.
- Leibrente: Ein Vertrag mit einer Versicherung: Man zahlt ihr eine Summe ein und erhält bis zum Lebensende regelmäßige Zahlungen. Perkins nennt sie ein mögliches Werkzeug, keinen Pflichtschritt.
- Vermögensgipfel: Ein Begriff von Perkins: das Jahr, nach dem man aufhört, die Ersparnisse zu vermehren, und beginnt, sie auszugeben. Ein Datum, keine Summe.
- Zeitkörbe: Ein Werkzeug von Perkins: Das Leben wird in Abschnitte von fünf oder zehn Jahren geteilt, und in jeden kommen die Erlebnisse, die man am besten genau dann haben sollte.
- Fed: Das Federal Reserve System, die Zentralbank der USA. Sie sammelt unter anderem Statistiken über Einkommen und Erbschaften amerikanischer Familien.
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