Es kommt darauf an, wie du spielst. Was der Sport Amerikas Besten beigebracht hat
Brian Kilmeade, 2007
Warum jagt ein Spieler mit aller Kraft einem Gegner nach, obwohl das Spiel schon verloren ist? Ein amerikanischer Fernsehmoderator fragte neunzig Menschen, von Champions bis zu Senatoren, was ihnen der Sport wirklich gegeben hat, und fast niemand sprach von Titeln. Hier geht es um die Ersatzbank, um das Gebrüll des Trainers und um die schlimmsten Tage. Aus diesen Erzählungen ergeben sich sechs klare Antworten auf die Frage, wie du dich verhältst, wenn alles schiefläuft.
Für wen
Für alle, die gerade eine schwere Phase durchmachen und überlegen, alles hinzuwerfen. Und für Eltern, Trainer und Führungskräfte, denen wichtig ist, was aus ihren Schützlingen wird.
Wenn ich dich aufhören lasse, weil du diesen Jungen nicht besiegt hast, wirst du dein ganzes Leben lang alles hinwerfen.
Das Spiel ist verloren, und er rennt
Super Bowl, das Finale der Meisterschaft im American Football. Dallas führt mit 52:17 gegen Buffalo. Der Ball fällt aufs Feld. Leon Lett von Dallas, ein Koloss von knapp hundertvierzig Kilo, hebt ihn auf und rennt auf die Linie zu, hinter der seine Mannschaft Punkte bekommt. Don Beebe von Buffalo dreht sich um und stürzt ihm nach. Er holt Lett ein, aber umreißen kann er einen solchen Mann nicht. Und als Lett den Arm mit dem Ball zur Seite streckt, schlägt Beebe ihm den Ball aus der Hand.
Nach dem Spiel kam Klubbesitzer Ralph Wilson mit Tränen in den Augen zu Beebe und sagte: „Diese Szene zeigt, wer wir sind.“ Beebe bekam kistenweise Briefe. Warum rennt jemand, wenn das Spiel schon verloren ist? Und warum hat das so viele Menschen berührt?
Solche Geschichten hat der amerikanische Fernsehmoderator Brian Kilmeade gesammelt. Er führte neunzig Interviews: mit Champions, Trainern, Senatoren, Schauspielern, Geschäftsleuten. Kilmeade selbst staunt, wie selten in diesen Gesprächen von Titeln die Rede ist.
Er hält den Sport für die beste Schule des Lebens: Den Spielstand vergisst man, die Anstrengung und die Haltung unter Druck bleiben einem. Das ist die Meinung des Autors, kein Gesetz. Alle seine Erzähler haben es am Ende zu etwas gebracht, und jeder spricht nur davon, was der Sport ihn selbst gelehrt hat.
Es folgen sechs Fragen aus dem Alltag, und die erste kennt jeder: Wann darf man aufhören?
Aufhören darfst du, wenn du gewonnen hast
Wann darfst du etwas hinwerfen, das nicht klappt? Diese Frage beantwortete Evander Holyfield, dem späteren vierfachen Schwergewichtsweltmeister im Boxen, seine Mutter. Derselbe Gegner hatte ihn bei einem Jugendturnier zweimal besiegt, und Evander verkündete, er höre mit dem Boxen auf.
Die Mutter erlaubte es nicht. Sie sagte, die meisten Menschen gäben auf, wenn es schlecht laufe, und fügte hinzu: „Besiege ihn, und dann mach mit dem Boxen, was du willst.“ Mit zwölf bekam er eine neue Chance, gewann und rannte nach Hause. „Gut, Evander, jetzt darfst du aufhören“, sagte die Mutter. „Bist du verrückt? Warum soll ich aufhören, wo ich gerade meinen schwersten Gegner besiegt habe?“, antwortete er. Erst da begriff er, was sie ihm beibringen wollte.
So etwas nach einem Misserfolg zu entscheiden ist, als würdest du hungrig einkaufen gehen: Du nimmst nicht, was du brauchst, sondern was den Hunger sofort stillt. Wenn du nach einem Sieg gehst, wählst du. Wenn du nach einer Niederlage gehst, läufst du oft einfach vor dem Schmerz davon.
Gehen darfst du trotzdem. Holyfield selbst gab den American Football auf, aber erst, nachdem er seinem Trainer im letzten Spiel der Saison bewiesen hatte, dass er spielen kann.
Steve Young, später ein Star im American Football, spielte in der Schule eine Baseballsaison ohne einen einzigen gelungenen Schlag, null von sechsundvierzig, und wollte sich verkriechen. Stattdessen arbeitete er den ganzen Sommer mit seinem Vater an seinem Spiel. Joe Montana wollte mit elf den American Football für die Pfadfinder aufgeben, und sein Vater sagte: „Spiel die Saison zu Ende und entscheide dann.“ Setz deiner Sache einen solchen Schlusspunkt. Der größte Fehler ist hier, Müdigkeit für die Antwort zu halten.
Über den Autor
Brian Kilmeade ist ein amerikanischer Fernsehmoderator, seit 1997 Co-Moderator der Morgensendung Fox & Friends, Sportjournalist und Fußballtrainer für Kinder. Sein erstes Buch über Sport und Leben, „The Games Do Count“, wurde ein Bestseller.
Alle Bücher des Autors: Brian Kilmeade
Begriffe aus dem Buch
- Super Bowl
- Wilson
- Young
- Torres
- Roosevelt
- American Football: Mannschaftsspiel mit einem ovalen Ball, bei dem es Punkte gibt, wenn der Ball hinter die Linie auf der Seite des Gegners gebracht wird. Das ist eine andere Sportart als der europäische Fußball.
- Lett: Leon Lett, Spieler von Dallas, den Don Beebe im Finale einholte.
- Beebe: Don Beebe, American-Football-Spieler bei Buffalo und Green Bay. Spielte sechsmal im Super Bowl und gewann ihn einmal.
- Holyfield: Evander Holyfield, amerikanischer Boxer, vierfacher Weltmeister im Schwergewicht.
- Montana: Joe Montana, American-Football-Spieler, vierfacher Super-Bowl-Sieger.
- Cheek: Joey Cheek, amerikanischer Eisschnellläufer, Olympiasieger 2006 über 500 Meter.
- Garrido: Augie Garrido, amerikanischer Baseballtrainer, gewann fünfmal den nationalen College-Titel.
- Newman: Wallace Newman, American-Football-Trainer am Whittier College.
- Hamm: Mia Hamm, Fußballerin aus den USA, zweifache Olympiasiegerin.
- Dorrance: Anson Dorrance, Fußballtrainer aus den USA, arbeitete mit Mia Hamm an der Universität und in der Nationalmannschaft.
- Balboa: Marcelo Balboa, Fußballer aus den USA, Kapitän der Nationalmannschaft, Teilnehmer an drei Weltmeisterschaften.
- Probetraining: Eine Prüfung, bei der ein Trainer entscheidet, ob er einen Spieler ins Team nimmt.
- Green: Danielle Green, amerikanische Basketballerin und Soldatin, verlor 2004 im Irak einen Arm.
- Crack: Stark wirkende Droge, eine rauchbare Form von Kokain.
- McGraw: Muffet McGraw, Trainerin der Frauen-Basketballmannschaft der University of Notre Dame.
- Lobo: Rebecca Lobo, amerikanische Basketballerin, Olympiasiegerin 1996.
- Auriemma: Geno Auriemma, Trainer der Frauen-Basketballmannschaft der University of Connecticut.
- Foreman: George Foreman, amerikanischer Boxer, zweifacher Weltmeister im Schwergewicht, Olympiasieger 1968.
- Broadus: Doc Broadus, Boxtrainer, der George Foreman zu diesem Sport brachte.
- Blank: Arthur Blank, amerikanischer Unternehmer, Gründer der Baumarktkette Home Depot.
- Almonte: Joe Almonte, Kapitän von Arthur Blanks Schulmannschaft.
- Lynch: John Lynch, American-Football-Spieler, Super-Bowl-Sieger.
- Hart: John Hart, Gegner des jungen Theodore Roosevelt bei einem Boxturnier.
- Player: Gary Player, Golfer aus Südafrika, Sieger von neun der größten Turniere.
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