Das Ende des Burnouts. Warum uns die Arbeit auslaugt und wie wir besser leben können
Jonathan Malesic, 2022
Ein Professor mit einer Stelle, die er praktisch nicht verlieren kann, merkt eines Tages, dass er sich jeden Morgen vor seinem Traumjob fürchtet. Jonathan Malesic kündigt, geht später der Frage nach, was mit ihm los war, und kommt zu einem unbequemen Schluss: Den Burnout erlebt der einzelne Mensch, verursacht wird er aber von unserer Arbeitskultur. Du erfährst, wie du Burnout von Müdigkeit unterscheidest, warum Neinsagen und Urlaub nicht die Rettung sind und wie Mönche, eine Organisation in Dallas und der Autor selbst der Arbeit eine Grenze setzen.
Für wen
Für alle, die ihre Arbeit einmal geliebt haben und sich jetzt jeden Morgen dorthin schleppen. Und für alle, die ahnen, dass es nicht an ihrer Schwäche liegt, sondern daran, wie Arbeit in unserer Kultur selbst angelegt ist.
Jeder von uns besitzt Menschenwürde, schon bevor er anfängt, für Geld zu arbeiten. Und auch dann, wenn er nie damit anfängt.
Der Traumjob, zu dem man nicht mehr hingehen will
Es kommt vor: Die Arbeit ist genau die, von der man jahrelang geträumt hat. Eine gute Stelle, Anerkennung, eine klare Zukunft. Aber mit jedem Monat fällt es schwerer, morgens aufzustehen und hinzugehen, und Wochenenden und selbst der Urlaub ändern fast nichts. Man möchte sich fragen: Was stimmt nicht mit mir?
Jonathan Malesic hat sich diese Frage viele Jahre lang gestellt. Er lehrte Theologie an einem kleinen katholischen College in Pennsylvania und hatte Tenure, also eine Stelle auf Lebenszeit, die man fast nicht verlieren kann. Ein Traumjob, ein gutes Gehalt, und trotzdem jeder Tag ein Kraftakt. Er kündigte und schrieb später ein Buch darüber, was mit ihm geschehen war.
Sein Schluss widerspricht den üblichen Ratschlägen. Malesic meint: Den Burnout erlebt zwar der einzelne Mensch, verursacht wird er aber von Arbeitsplätzen und von einer Kultur, in der uns die Arbeit Würde, Charakter und Lebenssinn verspricht. Sein Buch nennt er ein Selbsthilfebuch, aber nicht für einen einzelnen Menschen, sondern für eine ganze Kultur.
Auf den folgenden Seiten siehst du, wie du Burnout von gewöhnlicher Müdigkeit unterscheidest, warum wir auf das stolz sind, was uns zerstört, warum Neinsagen und Urlaub nur kurz helfen und was du von Menschen übernehmen kannst, die der Arbeit längst eine Grenze gesetzt haben: von Mönchen, die beim Läuten der Glocke ihre Arbeit liegen lassen, von den Mitarbeitenden einer Organisation in Dallas und von Malesic selbst in seinem Häuschen auf dem Parkplatz.
Die Spannung zwischen Traum und Alltag
Wie erkennst du, was mit dir los ist: Müdigkeit nach einem harten Quartal oder etwas anderes? Malesic beginnt mit seiner eigenen Geschichte, weil er diese Frage lange selbst nicht beantworten konnte.
Am King's College hatte er jahrelang auf seine Stelle hingearbeitet. Dann merkte er, dass er kaum noch aus dem Bett kam, sich mit Mühe auf den Unterricht vorbereitete und immer mehr Zeit mit Papierkram verbrachte statt mit dem Lesen und Nachdenken, für das er den Beruf gewählt hatte. Er nahm sich unbezahlten Urlaub. Kaum war er zurück, ging alles wieder von vorn los: An der Arbeit hatte sich nichts geändert. Als seiner Frau eine Lehrstelle in Dallas angeboten wurde, kündigte er.
Was zeigt diese Geschichte? Nach dem Umzug nach Texas war der Zustand vorbei. Malesic hebt den Unterschied zur Depression hervor: Vor ihr kann man nicht einfach wegziehen, vor dem Burnout aber ist er weggezogen, indem er die Arbeit wechselte. Es lag also nicht nur an ihm, sondern auch an seinem Verhältnis zu einer bestimmten Arbeit.
Daraus folgt seine Definition. Burnout nennt er eine chronische Spannung zwischen den Idealen und der Wirklichkeit der Arbeit. Stell dir ein Gummiband vor, gespannt zwischen dem, wie du dir deine Arbeit vorstellst, und dem, wie sie tatsächlich ist. Solange der Abstand klein ist, hält das Band. Wächst er, verliert es seine Spannkraft und reißt eines Tages. Das entscheidende Wort ist „chronisch“: Ein einziger schwerer Monat ist noch kein Burnout.
Malesic stützt sich auf die Forschung von Christina Maslach, nach der Burnout drei Seiten hat. Sie treten in unterschiedlichen Mischungen auf, deshalb sieht Burnout bei verschiedenen Menschen verschieden aus.
• Erschöpfung. Die Kraft reicht nicht einmal mehr für das, was früher leichtfiel.
• Zynismus. Gegenüber den Menschen, für die du arbeitest, entstehen Kälte und Gereiztheit.
• Ohnmacht. Es scheint, als würde deine Arbeit nichts mehr bewirken.
Ein häufiger Fehler: jede Müdigkeit Burnout zu nennen. Malesic zeigt, dass sich selbst die Forschenden oft nicht auf eine Definition einigen können, und dann scheint es, als wären alle ausgebrannt. Wenn alle ausgebrannt sind, sieht niemand mehr, wem es wirklich schlecht geht und was sich ändern muss.
Über den Autor
Der amerikanische Schriftsteller Jonathan Malesic ist promovierter Religionswissenschaftler (PhD). Viele Jahre lehrte er Theologie an einem College in Pennsylvania, arbeitete als Sushikoch und als Parkplatzwärter und unterrichtet heute Schreiben in Dallas.
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