Die Bibel des sozialen Aufsteigers. Manieren, praktische Tipps und spirituelle Ratschläge für alle, die nach oben wollen
Dirk Wittenborn, Jazz Johnson, 2014
Warum zahlt ein reicher Mensch vierhundert Dollar für eine Flasche Wodka, die achtundzwanzig kostet? Die Erbin einer Familie der feinen Gesellschaft und ein Schriftsteller, der aus exklusiven Clubs geflogen ist, haben einen spöttischen Ratgeber für alle geschrieben, die nach oben klettern. Getarnt als zynische Tipps zeigt das Buch, wie die Spiele um Status, Schmeichelei und Snobismus funktionieren, und hilft dir, sie zu erkennen.
Für wen
Für alle, die kluge Satire mögen, und für alle, die sich für Status, Snobismus und gesellschaftliche Spiele interessieren: wer sie gewinnt und warum.
Wahre Erleuchtung kommt erst, wenn du begreifst: Ganz gleich, wie hoch du kletterst, über dir findet sich immer jemand, der auf deine Erfolge herabsieht.
Abendessen mit Bono oder Treffen mit Mama
Stell dir vor: Am Abend bist du mit deiner Mutter oder einem alten Freund verabredet, und plötzlich lädt dich jemand ein, diesen Abend mit Bono zu verbringen. Sagst du das Treffen ab? Dirk Wittenborn und Jazz Johnson sind überzeugt, dass die ehrliche Antwort „Ja“ lautet, und wer „Nein“ sagt, der lügt. Und wenn das so ist, bist du bereits ein sozialer Aufsteiger, also ein Mensch, der die Freundschaft derer sucht, die über ihm stehen.
Das Buch erschien 2014 und ist als Parodie auf Selbsthilferatgeber geschrieben: mit Mantras, Tests und der strengen Warnung, es bloß nicht in der Öffentlichkeit zu lesen. Die Autoren kennen ihr Thema von beiden Seiten. Johnson, eine Erbin der Gründer von Johnson & Johnson, ist Mitglied der exklusivsten Clubs, und den Romanautor Wittenborn hat man aus solchen Clubs hinausgeworfen.
Jeder Rat im Buch ist absichtlich zynisch, und genau darin liegt der Witz. Die Autoren lachen über Snobs, über die, die nach oben klettern, und über die, die sie nicht hereinlassen. Doch unter dem Spott liegt eine ziemlich genaue Karte davon, wie Status und Snobismus funktionieren.
Vor dir liegen sieben Kapitel über die Regeln des gesellschaftlichen Spiels. Befolgen musst du diese Ratschläge nicht: Nützlicher ist es zu verstehen, wie sie wirken, vor allem, wenn man sie bei dir anwendet. Fangen wir damit an, warum die, die nach oben streben, einen so schlechten Ruf haben.
Die Leiter verbrennen die, die schon oben sind
Nach Darstellung der Autoren waren die Pilgerväter die ersten sozialen Aufsteiger Amerikas. Den Hungerwinter überlebten sie, weil sie sich mit den Indianern anfreundeten und sie zum ersten Thanksgiving einluden. Doch sobald die eigene Ernte reichte, wurden die Indianer zum Fest nicht mehr eingeladen. Später schmiegten sich die Kolonisten ebenso an die Gouverneure der englischen Krone, und als sie reich geworden waren, machten sie eine Revolution. Die Puritaner, spotten die Autoren, verbrannten nicht nur Hexen: Sie versuchten auch, die Leiter zu verbrennen, auf der sie selbst nach oben gekommen waren.
Danach wiederholt sich die Geschichte. Die Vanderbilts, mit Eisenbahnen reich geworden, verheirateten ihre Tochter mit dem nicht sehr wohlhabenden, aber hochadligen Herzog von Marlborough und kauften sich so, was man mit Geld allein nicht kaufen kann. Und die Namen an den Wänden von Museen, Krankenhäusern und Universitäten gehören den Autoren zufolge denselben Aufsteigern: Wohltätigkeit war schon immer nur ein anderes Wort für den Aufstieg.
Sogar den Ausdruck, mit dem man solche Menschen brandmarkt, haben nach Ansicht der Autoren Snobs erfunden, damit sich andere Snobs dir überlegen fühlen können. Snobs gleichen einem Passagier, der ins Rettungsboot geklettert ist und die Strickleiter hinter sich hochgezogen hat.
Daraus folgt eine nützliche Frage. Wenn jemand dafür beschämt wird, dass er aufsteigen will, lohnt sich ein Blick darauf, wer da beschämt und von welcher Höhe aus.
Über den Autor
Dirk Wittenborn ist ein amerikanischer Romanautor, Drehbuchautor und Produzent des Dokumentarfilms „Born Rich“. Seine Nichte Jazz Johnson, eine Erbin der Gründer von Johnson & Johnson, verwaltet das Familienanwesen und züchtet Truthähne alter Rassen.
Alle Bücher des Autors: Dirk Wittenborn, Jazz Johnson
Begriffe aus dem Buch
- Simpson
- James
- Bono: Irischer Rockmusiker, Sänger der Band U2, auch bekannt für sein Engagement für wohltätige Zwecke.
- sozialer Aufsteiger: So gibt Livria den englischen Ausdruck social climber wieder: ein Mensch, der die Bekanntschaft von Höhergestellten sucht, um selbst aufzusteigen. Die Autoren des Buches nennen solche Leute kurz Aufsteiger.
- Johnson & Johnson: Amerikanisches Unternehmen, das Medikamente, Medizinprodukte und Hygieneartikel herstellt. Gegründet 1886.
- Pilgerväter: Englische puritanische Siedler, die 1620 mit dem Schiff „Mayflower“ nach Amerika kamen und die Kolonie Plymouth gründeten.
- Thanksgiving: Amerikanisches Erntedankfest im Herbst. Der Überlieferung nach geht es auf ein gemeinsames Mahl der Kolonisten von Plymouth und der einheimischen Indianer im Jahr 1621 zurück.
- Puritaner: Englische Protestanten des 16. und 17. Jahrhunderts, die ein strenges und schlichtes religiöses Leben forderten. Viele von ihnen wanderten nach Amerika aus.
- Vanderbilts: Amerikanische Familie, die im 19. Jahrhundert mit Dampfschiffen und Eisenbahnen reich wurde. 1895 heiratete Consuelo Vanderbilt den neunten Herzog von Marlborough.
- Marlborough: Britischer Herzogstitel. Die Familie seiner Träger lebt in Blenheim Palace, wo Winston Churchill geboren wurde.
- schwarze Kugel: Die Gegenstimme bei der geheimen Abstimmung über die Aufnahme in einen Club. Jemandem die schwarze Kugel geben heißt, den Kandidaten nicht hereinzulassen.
- Großer Fisch: Ein Bild aus dem Buch, keine gängige Redewendung: ein reicher oder einflussreicher Mensch, über den der Aufsteiger höher zu kommen hofft.
- Wilde: Oscar Wilde, irischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts, berühmt für seine geistreichen Aphorismen.
- Ennui: Französisches Wort für quälende Langeweile und Überdruss. Die Autoren spotten, dass die Reichen „Ennui“ sagen und die Armen einfach „Langeweile“.
- Windsor: Der Titel, den der frühere britische König Eduard VIII. und seine Frau erhielten, nachdem er 1936 abgedankt hatte, um sie heiraten zu können.
- Einhörner: Ein Bild aus dem Buch, keine gängige Redewendung: seltene Menschen, bei denen Talent, Einfluss und großer Ruhm zusammenkommen.
- Clinton: Bill und Hillary Clinton. Bill Clinton war von 1993 bis 2001 Präsident der USA, Hillary Clinton war Außenministerin der USA.
- Clooney: George Clooney, amerikanischer Filmschauspieler und Regisseur, Oscarpreisträger.
- Jolie: Angelina Jolie, amerikanische Filmschauspielerin und Regisseurin, bekannt für ihr wohltätiges Engagement und ihre Arbeit mit Geflüchteten.
- Serengeti: Nationalpark in Tansania, berühmt für seine riesigen Antilopenherden und großen Raubtiere.
- Wampum: Muschelperlen, die die Indianer Nordamerikas als Geld und als Zeichen eines Vertrags benutzten.
- Wal: Ein Bild aus dem Buch: So nennen die Autoren einen Großen Fisch, der mehr als hundert Millionen Dollar besitzt.
- Museum of Modern Art: Eines der größten Museen der Welt für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, in New York. Eröffnet 1929.
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