Der Börse einen Schritt voraus
Peter Lynch, John Rothchild, 1989
Kann man ein hervorragendes Unternehmen früher entdecken als die Profis an der Wall Street? Peter Lynch, der dreizehn Jahre lang den Fonds Magellan leitete, ist überzeugt: Ja, wenn man sich umsieht und sich die Mühe macht, das Gesehene zu prüfen. Er zeigt, wie man Ideen im Alltag findet, Unternehmen in sechs Arten einteilt und entscheidet, wann man eine Aktie hält und wann man sie verkauft.
Für wen
Für alle, die über den Kauf von Aktien nachdenken und verstehen wollen, wie einer der erfolgreichsten Fondsmanager seine Firmen auswählte. Und für alle, die wissen möchten, wie aus gewöhnlichen Beobachtungen eine Anlageidee wird.
Gestiegene Aktien zu verkaufen und gefallene zu behalten ist, als würde man Blumen ausreißen und Unkraut gießen.
Der Junge, der die Schläger des Fidelity-Chefs trug
Ein Jugendlicher aus dem Umland von Boston jobbt als Caddie im Golfclub. Er trägt den reichen Spielern die Schläger und hört zu, was sie zwischen den Löchern besprechen. Oft geht es dabei um Aktien. Unter den Spielern, die er über den Platz begleitete, war George Sullivan, der Chef der Investmentfirma Fidelity. Einige Jahre später half ihm diese Bekanntschaft, dort einen Sommerjob zu bekommen, obwohl sich Dutzende Studenten um die Stelle bewarben.
Noch als Student steckte er tausend Dollar in die Frachtfluggesellschaft Flying Tiger. Dann begann der Krieg in Vietnam, die Firma flog Truppen und Fracht, und die Aktien stiegen um ein Vielfaches. Einen Teil verkaufte er und finanzierte davon sein Studium an der Wharton School. Der junge Mann hieß Peter Lynch. Von 1977 bis 1990 leitete er den Fonds Magellan, einen der erfolgreichsten Fonds seiner Zeit.
1989 schrieb Lynch zusammen mit John Rothchild das Buch „One Up On Wall Street“, auf Deutsch „Der Börse einen Schritt voraus“. Seine Kernaussage klingt aus dem Mund eines professionellen Fondsmanagers kühn: Ein normaler Mensch, der arbeitet, einkauft und die Augen offen hält, kann eine hervorragende Firma früher entdecken als die Profis. Aber entdecken ist nur der Anfang. Danach muss man seine Hausaufgaben machen, und darum geht es im größten Teil des Buches.
Es ist die Methode eines einzelnen Anlegers, kein persönlicher Rat an dich. Die Beispiele im Buch stammen aus den Achtzigerjahren. Die Denkweise von Lynch ist trotzdem nicht veraltet. Du erfährst, wo er nach Ideen suchte, wie er Unternehmen in sechs Arten einteilte, warum er langweilige Namen mochte, welche Aktien er mied, was die Zwei-Minuten-Geschichte ist und wann man seiner Meinung nach eine Aktie halten und wann man aussteigen sollte.
Strumpfhosen, die neben der Milch lagen
In den Siebzigerjahren kam Lynchs Frau Carolyn aus dem Supermarkt zurück, mit einer neuen Strumpfhose von L'eggs. Hergestellt wurde sie von Hanes. Verkauft wurde sie nicht im Kaufhaus, sondern an der Kasse eines gewöhnlichen Supermarkts, wo die Frauen ohnehin jede Woche einkauften. Die Strumpfhose gefiel Carolyn, und sie kaufte sie immer wieder. Lynch wurde neugierig und begann, die Firma zu untersuchen.
Er sah etwas, das man im Büro leicht übersieht. Die Qualität war so gut wie im Kaufhaus, und man konnte sie zwischen Brot und Milch kaufen. Solche Produkte kauft man immer wieder, und man muss nicht extra danach suchen. Lynch kaufte Hanes-Aktien für seinen Fonds. Die Geschichte endete früher, als ihm lieb war: Der Konzern Consolidated Foods übernahm Hanes komplett, und die Aktionäre mussten ihre Papiere abgeben, die noch hätten steigen können.
Aus dieser Geschichte wächst die wichtigste Idee des Buches. Der normale Käufer sieht den Erfolg eines Produkts früher als der Analyst, weil er ihn im eigenen Einkaufskorb sieht. Ähnlich ist es bei der Arbeit: Wer in einer Branche tätig ist, bemerkt früher als andere, dass die Bestellungen beim Zulieferer gestiegen sind oder dass ein neues Produkt besser läuft als das alte.
Lynch nennt Aktien, die sich verzehnfacht haben, Tenbagger. Seiner Meinung nach kann ein Privatanleger eine solche Aktie direkt vor der Nase finden: im Einkaufszentrum, im Café, am eigenen Arbeitsplatz. Dafür braucht er keinen Zugang zu Geheimnissen. Er braucht Aufmerksamkeit für das, was er ohnehin jeden Tag sieht, und die Gewohnheit, sich zu fragen, wer an dem verdient, was plötzlich beliebt geworden ist.
Über den Autor
Peter Lynch ist ein amerikanischer Investor. Von 1977 bis 1990 leitete er den Fonds Magellan der Firma Fidelity. John Rothchild ist Autor von Finanzbüchern und Mitautor mehrerer Bücher von Lynch.
Alle Bücher des Autors: Peter Lynch, John Rothchild
Begriffe aus dem Buch
- Dividende
- Caddie
- Wharton
- Sullivan: George Sullivan, Chef der Investmentfirma Fidelity, dem der junge Lynch im Golfclub die Schläger trug.
- Fidelity: Amerikanische Investmentfirma aus Boston, die Investmentfonds verwaltet. Lynch arbeitete seine ganze Laufbahn dort.
- Flying Tiger: Amerikanische Frachtfluggesellschaft. Ihre Aktien waren Lynchs erster erfolgreicher Kauf.
- Magellan: Investmentfonds von Fidelity, den Lynch von 1977 bis 1990 leitete.
- Rothchild: John Rothchild, amerikanischer Autor von Finanzbüchern und Mitautor von Lynch.
- Carolyn: Carolyn Lynch, Frau von Peter Lynch. Ihr Kauf der Strumpfhosen L'eggs gab ihm eine seiner bekanntesten Ideen.
- L'eggs: Strumpfhosenmarke der Firma Hanes, die seit den frühen Siebzigerjahren im Supermarkt in einer typischen eiförmigen Verpackung verkauft wurde.
- Hanes: Amerikanischer Hersteller von Wäsche und Strumpfhosen, der die Marke L'eggs herstellte.
- Tenbagger: Lynchs Wort für eine Aktie, deren Kurs sich verzehnfacht hat.
- Consolidated Foods: Amerikanischer Konzern, der Hanes übernahm.
- langsam wachsende: Art von Unternehmen nach Lynch: große, reife Firmen mit langsam steigendem Gewinn, die man vor allem wegen der Dividende hält.
- stabile Riesen: Art von Unternehmen nach Lynch: große, bekannte Firmen mit mäßigem, aber stetigem Gewinnwachstum.
- schnell wachsende: Art von Unternehmen nach Lynch: meist kleine Firmen, die sich rasch ausdehnen. Dort suchte er seine Tenbagger.
- Zyklische: Art von Unternehmen nach Lynch: Firmen, deren Gewinn mit Auf- und Abschwüngen der Wirtschaft steigt und fällt.
- versteckte Vermögenswerte: Begriff aus Lynchs Einteilung: wertvolles Eigentum eines Unternehmens, das der Markt im Kurs nicht berücksichtigt.
- Pep Boys: Amerikanische Kette für Autoteile und Werkstätten. Lynch nennt ihren vollen Namen als Beispiel für einen langweiligen Namen.
- Diworsifikation: Wortspiel Lynchs: der Kauf fremder Geschäfte ohne Bezug zum eigenen Kerngeschäft, der ein Unternehmen schwächer statt stärker macht.
- Diversifikation: Verteilung von Geld oder Tätigkeit auf verschiedene Felder, um das Risiko zu senken.
- P/E: Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn je Aktie. Es zeigt, wie viele Jahre des heutigen Gewinns der Käufer bezahlt.
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